Und plötzlich ist alles anders…
In meinem Leben hat sich was gravierendes und grundlegendes geändert. Mein (Ex)Mann und ich werden als Eheleute getrennte Wege gehen. Und was mich sehr erleichtert ist, dass es schlussendlich in Frieden abläuft. Ich habe es mir nicht zu träumen gewagt, denn die letzten Wochen waren nicht sehr angenehm und waren auch sehr psychisch manipulierend von seiner Seite aus.
Vorige Woche dann kam es kurfristig zu einem emotionalen Ausbruch beider Seiten – aber dieser hat den Weg frei gemacht für Kommunikation was die Zukunft betrifft, denn ich habe ihm unmissverständlich klar gemacht, dass ich so nicht mehr weiterleben kann und werde – dass ich notfalls auch Scheidungskrieg in Kauf nehme. Ich machte ihm klar, dass ich so nicht mehr kann – ich am Ende bin. Es wurde sehr viel geredet und geklärt – ich konnte mich das erste Mal artikulieren und ausdrücken und er hat mich endlich verstanden und es eingesehen. Es war ein hartes Stück Arbeit auch psychisch gesehen.
Unsere Ehe bestand faktisch seit Jahren eh nur noch auf dem Papier. Der Vollzug fand sogar seit Jahren nicht mehr statt. Okay da ist Zicklein, aber auch die kam nicht durch ehelichen *Ihrwisstschonwas* zustande – bestimmte Körperteile müssen dazu nicht wo drin sein - ähh ja – jedenfalls war Zicklein ein ungeplanter Unfall. Aber ich liebe mein kleines Zicki und hergeben? Nie im Leben. Und meinen Junior auch niemals.
Irgendwie hätten er und ich damals schon nicht heiraten dürfen. Aber was tut man wenn man noch so jung ist und ein Kind unterwegs ist? Wir waren damals schon 2 Jahre zusammen. 2 junge Menschenkinder, die vom Leben nicht sanft behandelt wurden, deren Kindheit und Jugend nicht das Gelbe vom Ei war. Man raufte sich zusammen und blieb aneinander hängen, war da doch niemand anders. Man wollte sich gegenseitig ein bissel Halt geben. Beide Kindheiten aus unterschiedlichen Gründen versaut – (v)(z)erstörte Kinderseelen im Jungerwachsenenkörper. Das konnte nicht klappen. Das schüchterne unsichere Mädel und der etwas aggresive latent jähornige Jung. Das wir beide so waren hatte Gründe. Seine innere Wut hat(te) einen Grund – den ich weiss – und die brauchte ein Ventil. Meine Unsicherheit und Angepasstheit hat(te) auch ihren Grund.
Ich habe unter anderem nie gelernt mich zu wehren. Ich rolle unser beider Kindheit nun nicht auf, es ist eh viel unbewältigt und verdrängt. Gewalt und Missbrauch – finanzielle Not, sozial schwach, ein Elternhaus, das trotz guter Wurzeln irgendwie… Und da stehst Du da als Kind und Teenie – bist da reingeboren und sollst gross werden. Das ist nicht immer leicht und hinterlässt Spuren. Als Kind hast Du keine Wahl – als Teenie auch nicht und erwachsen werden? Man wird es zu früh und ist es gleichzeitig doch nie.
Anfangs war die Ehe bedrückend. Er war immer schon bissel aggressiv und hatte mich schnell im Griff und ich kuschte, war ich doch auch so erzogen, mein Vater war sehr dominant – dann begann es langsam, schleichend, das er mich nicht nur mit Worten in Zaum hielt. Bis zum ersten Mal schlagen war ein langer Weg, lange vorher, schlug er zwar noch nicht zu – aber er packte mich oft grob am Kragen und drückte mich wütend an die Wand, wenn was nicht rund lief und schrie mich an. Ob ich damals schon abschaltete gefühlsmässig? Ich weiss es nicht. Das erste Mal geschlagen werden nahm ich wie in Trance wahr. Es war so unwirklich. Er versprach es nie mehr zu tun – und ich vergab ihm. Auch die anderen Male tat ich es, ich habe ihn deshalb nie verdammt, denn ich wusste warum er aus seiner Sicht nicht anders konnte. Aber vergessen habe ich es nicht. Berühren lassen ect konnte ich mich nicht mehr. Mein Vertrauen war weg. Ich wollte das nicht, aber es ging nicht.
Ich war sehr eingeschüchtert und liess mich unterbuttern. Er hatte die Oberhand. Irgendwann dann 1999 war es einmal zuviel und ich schaffte es zu gehen. Doch wie so oft habe ich es doch nicht geschafft und vermasselt. Ich war vom Frauenhaus neunkirchen zu meinen Eltern geschickt worden und das Zusammenleben mit meinem Vater ging nicht gut. Wie viele andere Frauen ging ich zurück. Der Tag meines 30. Geburtstages im Jahre 2000 bleibt unvergessen, an dem Tag ging es zurück zu ihm. Der Tag war für mich sehr schlimm, seither hat mein Geburtstag einen komischen Beigeschmack. Da stand ich nun, gescheitert in so vielem. Kurzer Ausflug in die Freiheit – verbockt. Wir zogen wieder mehr oder minder an einem Strang – einseitig. Viele meiner Bekannten verstanden und verstehen mich nicht, dass ich zurückging. Ich liess ihn wie auch vorher schon gewähren ohne nach mir zu fragen, konnte ja froh sein, dass… Mit meinem Vater bin ich nun wieder eins. Blut ist dicker als Wasser – ich habe ihm vieles verziehen udn mein Dad ist ein alter Mann, der sich geändert hat, was soll ich ihm nachtragen? Ich habe nur den einen Vater – es sind meine Wurzeln auch wenns damals keien guten waren. So ist das Leben – Menschen scheitern – auch aus eigenem Verschulden und ziehen Kinder mit
Es gab wieder viele verbale Entgleisungen von ihm – er tat mir oft genug weh. Ein einziges Mal 2001 hatte er sich mir wieder gegenüber körperlich vergessen – wirklich seit dem das letzte Mal. An dem Tag verschwand in mir jegliches Gefühl und Vertrauen – aber ich blieb. Wo sollte ich hin?
Habe doch 2 Kinder und gab mich komplett auf. Resignation mit erst 31. Ich flüchtete ins Internet und baute mir hier mein Leben auf. Traf viele liebe Menschen – aber auch ab und an auch böse und auch Fakes. Aber die positiven Kontakte – auch Leute die ich persönlich treffen durfte – überwiegen. Ich mied den Kontakt zur Aussenwelt. In der Zeit habe ich viel im WWW gelernt. Kommunikativ, grafisch, homepagetechnisch usw. Im WWW war ich nicht die pummelige junge Mutter ohne Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Ich habe mir viel aufgebaut, viel Wissen angeeignet. Hier war ich die Person, die ich real nie sein durfte oder konnte oder mich getraute. Ich bin real und kein Fake. Ich bin wirklich ich, meine Biographie ist authentisch. Mich kann man greifen.
Durchs Bloggen kam eine persönlichere Nuance in Umgang mit meinen Webfreunden und Bekannten. Hier stehe ich nun – viel ist geschehen – emotional und auch sonst. Der Lernprozess ist gigantisch. Aber ich bin auch irgendwie an mir selber gewachsen – erwachsen geworden. Habe nun mehr Selbstvertrauen auch im Realen Leben. Natürlich ist da noch ein grosses Stück Unsicherheit und auch Angst da – das leg ich so schnell nicht ab. Ich muss erst lernen zu vertrauen – in mich selber zu vertrauen. Dabei hilft mir Flo(w) - ohne ihn hätte ich nicht die Kraft – würde ich so weitermachen wie bisher. Liebe kann Berge versetzen. Auch Flo(w) hat seine Geschichte – und sein Päckchen getragen - Das wir uns verlieben war nie geplant – es geschah eben an Vatertag – Gefühle kannst Du nicht planen. Aber auch nicht verstecken oder abschalten. Man wehrt sich – ich tat es mit Händen und Füssen – aber…
Mein Mann begann zu realisieren das er mich verliert, dass ich entgleite. Warum ich entgleite gestand er sich aber lange nicht ein. Seit September 2003 wo ich aus eigener Kraft 18 Kilo abnahm und durch die Arbeit wieder aktiver wurde und mutiger, neue Frisur – ganz anders wie die 17 Jahre zuvor - keine langen Dauerwellen mehr – kurze glatte Haare ( nun wieder lang – okay ). Man sagt mir dauernd dass ich dadurch jünger wirke. Niemand, den ich neu kennenlerne glaubt mir, das ich 34 bin, die halten mich alle für viel jünger – vielleicht bin ich es im Geiste auch???
Voriges Jahr, als Gabriel sich umbrachte war ich emotional ganz unten. Es war schlimm und ohne meine Webfreunde hätte ich es nicht überstanden. Ihr wisst wen ich meine – sie gaben mir Halt und Vertrauen zurück auch wenn ich immer noch nicht wieder die bin, die ich vor dem Tag war. Aber diese Webfreunde haben ihren Platz in meinem
Herzen und auf diese lasse ich nichts kommen. Mein Mann liess mich emotional im Stich und alleine. Er verfolgte seine eigenen Ziele und von mir kam eh noch nie Gegenwehr. Ab und an wurde ich verbal verletzt, was für mich schlimmer war als Schläge – so absurd das klingt. Blaue Flecken gehen weg… der Schatten auf der Seele bleibt. Ich hing durch – noch schlimmer als in den Monaten zuvor seit ich wieder eingezogen war. Gabriels Tod und das was deshalb im Net loswahr hat mich fast zerbrochen. Aber nur fast. Wegen Menschen im WWW, die ich bis dato nur online kannte. Die mich aufrichteten, das was mein Mann eigentlich hätte … aber es sollte eben nicht sein. Ich bekam Post – Pakete, Anrufe udn was am wichtigsten wahr fürs heilen – 2 besondere Menschen fuhren kilometerweit zu mir!!!
Ich unterstützte imeinen Mann in seinen Sachen weiterhin, interessierte mich, hörte zu usw. Von ihm kam in der Beziehung nichts zurück. Und das wäre immer so weitergegangen – wäre mir nicht Flo begegnet. Ich habe einiges verloren, aber das schon lange vorher und so vieles dazugewonnen. Ich selber habe mich mit Hilfe meiner Webfreude aus dem Sumpf gezogen…
Ich stehe zu Flo und er zu mir und den Kindern. Mein Mann versuchte erst Drohgebärden – die an mir abprallten – dann, was schlimmer war – versuchte er es sehr liebreizend und nett – aber es ist dafür zu spät, dann begann der Drohgebärden 2. Teil, diesmal aber Flo gegenüber wo sich mein Widerstand regte. Liebe kannste nicht verhindern, wenn 2 Herzen sich aufrichtig lieben. Auch wenn eines im Käfig verwundet versucht auszubrechen. Vorige Woche dann wars soweit – die Weiche hat sich gestellt. Ich bin kein leichtfertiges Wesen – ich möchte klare Verhältnisse. Ich möchte mein Glück festhalten – Affären ect sind mir zuwider und gegen mein Naturell. Nach anfänglichen lauten verbalen Kämpfen haben mein Mann und ich uns geeinigt. Er hat es eingesehen, dass ich um mein Glück kämpfen werde. Hat eingesehen, das er zu spät gerafft hat, dass… hat eingesehen das was er, wie er es… Egal ich trage es ihm nicht nach.
Nun wo die Fronten geklärt sind vertragen wir uns viel besser. Eine Last ist weg. Es mag verrückt klingen, aber so ist das Gefühlsleben eben. Verrückt! Ich darf meinen Flo offiziell lieben, mein Mann hat mich freigelassen. Er sagte so viel. Er sagte auch, das er es eben zu spät gemerkt hat, seine Prioritäten falsch gesetzt und es nun verloren hat. Er spürt das er mich nicht mehr halten kann. Er hat mir so oft versprochen gehabt, das ich und die Kinder Priorität haben, aber es doch immer schleifen lassen und ich liess ihn resigniert gewähren. Hätte ich mir mehr Mühe geben sollen – immer und immer wieder – wo ich doch eh immer kleinbeigab?
Der Kinder wegen bleiben wir Freunde – wir bleiben Eltern. Das freut mich sehr, denn das war so ein neuralgischer Punkt. Wir werden auch in unserm Haus bleiben – zusammen – aber getrennt unter einem Dach. Finanziell hängt zuviel dran. Ich muss erst für Basis sorgen. Denn ich muss auch ohne Partner wirtschaften können und ich möchte keinen Mann ausziehen auch nicht meinen Ex Mann oder mich aushalten lassen. Es wird dauern bis ich finanziell autark und souverän bin und durch die Lösung die wir gefunden haben, gehen wir beide finanziell nicht den Bach runter. Es ist zwar knapp, aber anders würde es uns beiden wirtschaftlich das Genick brechen. Damit ist keinem geholfen. Nicht die beste Lösung aber die beste die zur Zeit möglich ist. Irgendwann wird es auch eine Bessere geben. Nur nicht stolpern.
Die Fronten sind geklärt und wir gehen nun offener miteinander um und er freundlicher – lässt mich auch endlich meine Dinge tun. Ich hatte immer seine Hobbies als die meinen, nun habe ich für mich meine eigenen gefunden. Vieles hat uns schon vor Jahren getrennt und gemeinsam gab es fast nichts mehr. Ich hatte bereits resigniert. Alles so hingenommen.
Was weiter wird, wird die Zukunft zeigen, er wird auch eine neue Partnerin finden – mal sehen was dann sein wird. Ich versuche positiv in die Zukunft zu sehen, die Kinder sind aufgeklärt was Sache ist und es geht ihnen so besser. Ich weiss es ist verrückt – es ist unkonventionell – es ist irre. Wir werden sehen ob es funktioniert. Wenn nicht habe ich noch immer die Option ausuziehen und komplett neu anzufangen. Es geht immer weiter, es wird immer ein Licht geben am Ende des Tunnels. So ist das Leben eben…
ich bin gefühlsmässig nun frei – die gebrochenen Flügel sind zusammengewachsen und lernen nun das Fliegen
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